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und jetzt zum Thema:

Diabetische Polyneuropathie
(diabetische Polyneuropathien)

Die diabetische Polyneuropathie kann auch als endotox ische (= Gifte die im Körper selbst entstehen) Polyneuropathie bezeichnet werden.

Die diabetische Polyneuropathie ist eine Nervenkrankheit infolge Diabetes mellitus (= Zuckerkrankheit). Diese Nervenerkrankung tritt bei jedem dritten Diabetiker auf.

Die diabetische Polyneuropathie beruht auf einer me tabolischen (= stoffwechselbedingten) Nervenschädigung, dabei blockieren krankheitsbedingt (Diabetes mellitus) anfallende Ketone (= Bezeichnung für Kohlenwasserstoffderivate mit einer oder mehreren Ketongruppen, z.B. CH3-CO-CH3) einen Multienzymkomplex, dessen Ausfall durch Bindung der alpha-Liponsäure zu Einlagerung von Sorbitol in den Zellen führt (intrazelluläres Ödem möglich).

Da diese Ketone Stoffwechselprodukte sind, kann man die diabetische Polyneuropathie auch als metabolische Polyneuropathie bezeichnen.

Die ersten Anzeichen einer diabetische n Polyneuropathie treten hpts. in den Füßen, aber auch Händen auf:

Im fortgeschrittenen Stadium führt die diabetische Polyneuropathie zu brennenden Dauerschmerzen im Versorgungsgebiet peripherer (= außerhalb Rücken mark und Gehirn verlaufender) Nerven, Parästhesien (= Fehlempfindungen), Hyperästhesien (= gesteigerte Empfindlichkeit für Sinnesreize) und Hyperpathien (= gesteigerte Berührungsempfindlichkeiten), Druckschmerzhaftigkeit von Ner ven und Mus keln sowie evtl. motorischen (= die Muskelfunktion betreffende) Reizerscheinungen (Cram pi) (Gerstenbrand et Rumpl 1988), teilweise auch Wadenkrämpfe. In schweren Fällen kann es zu motorischen (= die Muskelkraft betreffenden) Ausfällen mit Gangstörungen kommen kommen.
Schmerzattacken wie bei einer Neuralgie sind sehr selten.
Charakteristisch sind socken- bzw. handschuhförmige Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindlichkeit). Der brennen de Schmerzcharakter kann manchmal zur Verwechslung mit einer Kausalgie führen.

Eine Sonderform der diabetische n Polyneuropathie stellt das Lundbaek Syndrom dar. Dabei kommt es bei länger bestehendem Diabetes mellitus zu Parästhesie n (= Fehl-, Mißempfindungen), Bewegungsschmerz, intermittierendes Muskel versagen, Muskelsteife und Druckschmerzhaftigkeit im Hand - Unterarm -Bereich (Therapie siehe unten).

Gar nicht so selten tritt bei einer diabetische n Polyneuropathie im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf diabetesbedingt eine arterielle Durchblutungsstörung en hinzu, diese Kombination nennt man dann diabetischer Fuß.

Untersuchung:
Die diabetische Polyneuropathie führt zu Hypo- bis Areflexie (= Abschwächung bis hin zu Ausfall der Muskeleigenreflexe), Ausfälle im Vibrationsempfinden (Pallhypästhesie bis hin zu Pallanästhesie im Stimmgabelversuch) und Störungen der Sudomotorik (= Schweißverhalten) auf, die von Lähmungen begleitet sein können.
Je nach Verteilungsmuster unterscheidet man symmetrische und asymmetrische, rein sensorische (= die Empfindlichkeit betreffende) oder sensorisch-motorische (= die Empfindlichkeit und Muskelkraft betreffende) Formen von Polyneuropathien.
EMG (Elektromyographie) und NLG (Nervenleitgeschwindigkeit) sichern die Diagnose.

Die Unterscheidung zwischen diabetische r und alkohol ischer Ursache ist häufig anhand der Sudomotorik (= Schweißverhalten) der Füße möglich; sie sind beim Diabetiker meist schilfrig trocken, bei Alkoholmißbrauch nicht selten stark schweißig (Neundörfer 1988).

Kausale (= auf die Ursache gerichtete) Therapie der diabetische n Polyneuropathie:

Symptomatische (= auf die Krankheitszeichen ausgerichtete) Therapie einer diabetische n Polyneuropathie:

Physikalische Therapie:
Eine Vielzahl von Methoden sind geeignet, das Schmerzbild einigermaßen erträglich zu halten. Zu erwähnen wären besonders kalte oder warme Wickel, Wechselbäder, Kneipp`sche Güsse oder eine oberflächliche Kryobehandlung (= Kältebehandlung) mit Kondensationsdampf aus flüssigem Stickstoff oder Kaltluftgenerator.
In einigen Fällen kann auch eine Linderung mit transkutaner Nervenstimulation (TENS) mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden herbeigeführt werden. Auch die Hochtontherapie, eine Weiterentwicklung der klassischen Elektrotherapie, kann Beschwerden infolge von diabetischer Pol yneuropathie lindern (http://www.diabetesgate.de/diabetes/2008/hochtontherapie_5781.php)

Neuerdings führen wir auch bei der diabetische n Polyneuropathie im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschenkel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im gleichen Rhythmus) Gefäßtraining. Durch die Verbesserung der Durchblutung wird der Stoffwechsel der Nervenzellen optimiert. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken).

Spezielle Schmerztherapie

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei Polyneuropathie (diabetische):
Wiederholte
Nervenblockade n - Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der korrespondierenden Nervenleitungen mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich sehr bewährt. Dabei kommt es neben der (erwünschten) Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer (sympathischer) Faseranteile, woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die dem gestörten Nervenzellmetabolismus (= Stoffwechsel der Nervenzelle) bei Polyneuropathie nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung nicht nur symptomatisch (= nur auf Krankheitszeichen ausgerichtete), sondern auch kurativ (= auf die Ursache ausgerichtet).Die ausgeprägte Mehrdurchblutung führt auch zu einer Optimierung eines gestörten und damit potentiell schmerzauslösenden Metabolismus (= Stoffwechsel) der Nervenzellen.

Im Bereich der oberen Ex tremitäten (= Arme) (besonders beim Lu ndbaek S yndrom) bietet sich die Blockade des Plexus brachialis (= großes Armnervengeflecht) an, optimal kontinuierlich mit Katheter.
Im Bereich der unteren
Extremität en (= B eine) kann, besonders bei distal (= weiter unten) betonten Schmerzen, zunächst der Ischias nerv wiederholt blockiert werden. Nach probatorisch guter Wirkung empfiehlt sich zur Durchführung einer kontinuierlichen (repetitiven) Blockade die Einpflanzung eines Katheters (* siehe unten).
Bei den häufig vorkommenden sockenförmigen Beschwerden gilt es jedoch zu bedenken, daß im Knöchelbereich auch der Nervus saphenus beteiligt sein kann, der dann in die Blockadetherapie mit einbezogen werden muß. Bei Beschwerden im Bereich der unteren Ex tremitäten (= B eine) kann auch eine niedrig dosierte peridurale (= rückenmarknahe) Blockade durchgeführt werden. Dabei gilt, daß eine Therapie mit Leitungsblockaden dann optimal ist, wenn diese möglichst kontinuierlich durchgeführt werden, d.h., die Folgeblockade sollte immer dann gesetzt werden, wenn die vorhergehende eben abgeklungen ist. Dieser Forderung wird am ehesten die Kathetertechnik gerecht (* siehe unten). In der Regel reicht eine geringe Lokalanästhetika-Dosierung aus (z.B. Bupivacain 0,125 bis 0,15%).
Zur Therapie werden auch Sak ralblockaden (= rückenmarknahe Blockade durch eine Öffnung im Kr euzbein hindurch) empfohlen (Kossmann et al. 1988).

Fast regelmäßig kommt es nach einer intensiven Blockadebehandlung auch bei der diabetische n Polyneuropathie zu einer Besserung der Pallästhesie (= Vibrationsempfinden), so daß sich die diesbezügliche Untersuchung zur Objektivierung eines Behandlungserfolges eignet.

Intravasale (= in ein Blutgefäß verabreichte) Lokalanästhetika-Gabe bei Polyneuropathien:
Bei polyneuropathischen Beschwerden im Beinbereich hat sich die wiederholte intraarterielle (= in die Schlagader) Einspritzung eines Lokalanästhetikum s (= örtliches Betäubungsmittel) gut bewährt und gehört mittlerweile bei diesem Krankheitsbild zu unserer Standardtherapie. Dabei verabreichen wir
2-3 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) Lidocain im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische (= Teil des unwillkürliche Nervensystem betreffende) Nervenfasern verlaufen. So wird z.B. in der Neuraltherapie aus diesem Grunde bewußt um das Gefäß herum infiltriert. In der Regel geben die Patienten jeweils unmittelbar nach dem Einspritzen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Wärmegefühl im behandelten Be in an.

Als sehr hilfreich hat sich parallel zur beschriebenen Blockadebehandlung auch eine Infusionsserie mit Lidocain (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) erwiesen. Dabei werden unter Pulskontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade eines Nerven mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Ner ven oder das betroffene Nervengeflecht eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels in den Katheter auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.

Bestehen diabetische Polyneuropathien bzw. der dadurch verursachte Nervenschmerz längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, hilfreich ist auch ein Schmerzbewältigungstraining.

Hier gelangen Sie zu weiteren Formen von Polyneuropathien :

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).

Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).

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aktualisier >23.03.2008</>

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