Zunächst gute Nachrichten für alle Schmerzpatienten
Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen. Danach hat ein Schmerzpatient ein Recht darauf , in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden. Hier gelangen Sie zu dem Urteil. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik. Mittlerweile gibt es diesbezüglich ein weiteres Urteil, diesmal vom Landessozialgericht Hamburg: www.schmerzklinik.com/sozialgericht2 oder auch https://www.pressetext.at/pte.mc?pte=070710027&phrase=Schmerzklinik.
Alle gesetzlich Krankenversicherte haben mittlerweile Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und die Patienten dürfen sich ihre REHA-Klink sogar selbst aussuchen (nur zugelassene Einrichtungen wie z.B. unsere). Weiter Einzelheiten erfahren Sie hier (einfach anklicken), oder auch auf der Orginalseite der Bundesregierung: http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st
Auch daß für eine Rehabilitation bei Berufstätigen automatisch die Rentenversicherung zuständig ist, stimmt so nicht (mehr). Führen z.B. chronische Schmerzen nicht zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit, so ist die Krankenkasse selbst Kostenträger und nicht die Rentenversicherung. Auch ist die Krankenkasse selbst Kostenträger, wenn eine Behinderung oder eine Pflegebedürftigkeit droht.
und jetzt zum Thema:
Diabetische
Polyneuropathie
(diabetische
Polyneuropathien)
Die diabetische Polyneuropathie kann auch als endotox ische (= Gifte die im Körper selbst entstehen) Polyneuropathie bezeichnet werden.
Die diabetische Polyneuropathie ist eine Nervenkrankheit infolge Diabetes mellitus (= Zuckerkrankheit). Diese Nervenerkrankung tritt bei jedem dritten Diabetiker auf.
Die diabetische Polyneuropathie beruht auf einer me tabolischen (= stoffwechselbedingten) Nervenschädigung, dabei blockieren krankheitsbedingt (Diabetes mellitus) anfallende Ketone (= Bezeichnung für Kohlenwasserstoffderivate mit einer oder mehreren Ketongruppen, z.B. CH3-CO-CH3) einen Multienzymkomplex, dessen Ausfall durch Bindung der alpha-Liponsäure zu Einlagerung von Sorbitol in den Zellen führt (intrazelluläres Ödem möglich).
Da diese Ketone Stoffwechselprodukte sind, kann man die diabetische Polyneuropathie auch als metabolische Polyneuropathie bezeichnen.
Die ersten Anzeichen einer diabetische n Polyneuropathie treten hpts. in den Füßen, aber auch Händen auf:
Im fortgeschrittenen Stadium führt die diabetische Polyneuropathie zu brennenden Dauerschmerzen im
Versorgungsgebiet peripherer (= außerhalb Rücken
mark und
Gehirn verlaufender)
Nerven,
Parästhesien (=
Fehlempfindungen),
Hyperästhesien (= gesteigerte Empfindlichkeit für
Sinnesreize) und
Hyperpathien
(= gesteigerte Berührungsempfindlichkeiten), Druckschmerzhaftigkeit
von Ner ven
und Mus keln sowie evtl. motorischen (= die
Muskelfunktion betreffende) Reizerscheinungen (Cram pi) (Gerstenbrand
et Rumpl 1988), teilweise auch
Wadenkrämpfe. In schweren Fällen kann es zu motorischen
(= die Muskelkraft betreffenden) Ausfällen mit
Gangstörungen kommen kommen.
Schmerzattacken wie bei einer Neuralgie
sind sehr selten.
Charakteristisch sind socken- bzw. handschuhförmige
Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindlichkeit). Der
brennen de Schmerzcharakter kann manchmal zur Verwechslung mit einer
Kausalgie
führen.
Eine Sonderform der diabetische n Polyneuropathie stellt das Lundbaek Syndrom dar. Dabei kommt es bei länger bestehendem Diabetes mellitus zu Parästhesie n (= Fehl-, Mißempfindungen), Bewegungsschmerz, intermittierendes Muskel versagen, Muskelsteife und Druckschmerzhaftigkeit im Hand - Unterarm -Bereich (Therapie siehe unten).
Gar nicht so selten tritt bei einer diabetische n Polyneuropathie im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf diabetesbedingt eine arterielle Durchblutungsstörung en hinzu, diese Kombination nennt man dann diabetischer Fuß.
Untersuchung:
Die diabetische Polyneuropathie
führt zu Hypo- bis Areflexie (= Abschwächung bis hin zu Ausfall der
Muskeleigenreflexe), Ausfälle im Vibrationsempfinden
(Pallhypästhesie bis hin zu
Pallanästhesie im Stimmgabelversuch) und Störungen der Sudomotorik (=
Schweißverhalten) auf, die von Lähmungen begleitet sein können.
Je
nach Verteilungsmuster unterscheidet man symmetrische und asymmetrische, rein
sensorische (= die Empfindlichkeit betreffende)
oder sensorisch-motorische (= die Empfindlichkeit und
Muskelkraft betreffende) Formen von
Polyneuropathien.
EMG (Elektromyographie)
und NLG (Nervenleitgeschwindigkeit) sichern die Diagnose.
Die Unterscheidung zwischen diabetische r und alkohol ischer Ursache ist häufig anhand der Sudomotorik (= Schweißverhalten) der Füße möglich; sie sind beim Diabetiker meist schilfrig trocken, bei Alkoholmißbrauch nicht selten stark schweißig (Neundörfer 1988).
Kausale (= auf die Ursache gerichtete) Therapie der diabetische n Polyneuropathie:
Symptomatische (= auf die Krankheitszeichen ausgerichtete) Therapie einer diabetische n Polyneuropathie:
Physikalische Therapie:
Eine
Vielzahl von Methoden sind geeignet, das Schmerzbild einigermaßen erträglich
zu halten. Zu erwähnen wären besonders kalte oder warme Wickel, Wechselbäder,
Kneipp`sche Güsse oder eine oberflächliche Kryobehandlung (=
Kältebehandlung) mit Kondensationsdampf aus flüssigem Stickstoff
oder Kaltluftgenerator.
In einigen Fällen kann auch eine Linderung mit
transkutaner Nervenstimulation (TENS) mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden herbeigeführt werden. Auch die
Hochtontherapie, eine
Weiterentwicklung der klassischen Elektrotherapie, kann Beschwerden infolge von
diabetischer Pol yneuropathie lindern
(http://www.diabetesgate.de/diabetes/2008/hochtontherapie_5781.php)
Neuerdings führen wir auch bei der diabetische n Polyneuropathie im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschenkel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im gleichen Rhythmus) Gefäßtraining. Durch die Verbesserung der Durchblutung wird der Stoffwechsel der Nervenzellen optimiert. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken).
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
bei Polyneuropathie (diabetische):
Wiederholte Nervenblockade
n - Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der
korrespondierenden Nervenleitungen mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich sehr bewährt. Dabei kommt es neben
der (erwünschten) Hemmung der Nozizeption (=
Schmerzreizleitung) gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer
(sympathischer) Faseranteile, woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung
im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die dem gestörten
Nervenzellmetabolismus (= Stoffwechsel der Nervenzelle)
bei Polyneuropathie nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung nicht
nur symptomatisch (= nur auf Krankheitszeichen ausgerichtete), sondern
auch kurativ (= auf
die Ursache ausgerichtet).Die ausgeprägte Mehrdurchblutung
führt auch zu einer Optimierung eines gestörten und
damit potentiell schmerzauslösenden Metabolismus (=
Stoffwechsel) der Nervenzellen.
Im Bereich der oberen Ex tremitäten
(=
Arme)
(besonders beim Lu ndbaek S yndrom) bietet sich die
Blockade des Plexus brachialis (= großes Armnervengeflecht)
an, optimal
kontinuierlich mit Katheter.
Im Bereich der unteren Extremität
en
(= B eine)
kann, besonders bei distal (= weiter unten)
betonten
Schmerzen, zunächst der
Ischias
nerv wiederholt blockiert
werden. Nach probatorisch guter Wirkung empfiehlt sich zur Durchführung einer
kontinuierlichen (repetitiven) Blockade die
Einpflanzung eines Katheters (*
siehe unten).
Bei den häufig vorkommenden sockenförmigen Beschwerden gilt es
jedoch zu bedenken, daß im Knöchelbereich auch der Nervus saphenus beteiligt
sein kann, der dann in die Blockadetherapie mit einbezogen werden muß. Bei
Beschwerden im Bereich der unteren Ex tremitäten
(= B eine)
kann auch eine niedrig dosierte
peridurale (= rückenmarknahe) Blockade
durchgeführt werden. Dabei gilt, daß eine Therapie mit Leitungsblockaden dann
optimal ist, wenn diese möglichst kontinuierlich durchgeführt werden, d.h.,
die Folgeblockade sollte immer dann gesetzt werden, wenn die vorhergehende eben
abgeklungen ist. Dieser Forderung wird am ehesten die Kathetertechnik gerecht (*
siehe unten). In der Regel reicht eine geringe
Lokalanästhetika-Dosierung aus
(z.B. Bupivacain 0,125 bis 0,15%).
Zur Therapie werden auch Sak ralblockaden (= rückenmarknahe
Blockade durch eine Öffnung im Kr euzbein
hindurch) empfohlen (Kossmann et al. 1988).
Fast regelmäßig kommt es nach einer intensiven Blockadebehandlung auch bei der diabetische n Polyneuropathie zu einer Besserung der Pallästhesie (= Vibrationsempfinden), so daß sich die diesbezügliche Untersuchung zur Objektivierung eines Behandlungserfolges eignet.
Intravasale
(= in ein Blutgefäß verabreichte) Lokalanästhetika-Gabe
bei
Polyneuropathien:
Bei polyneuropathischen Beschwerden im Beinbereich hat sich
die wiederholte intraarterielle (= in die Schlagader)
Einspritzung eines
Lokalanästhetikum
s
(=
örtliches Betäubungsmittel)
gut bewährt und gehört mittlerweile bei diesem Krankheitsbild zu unserer
Standardtherapie. Dabei verabreichen wir
2-3 mal täglich 1-1,5ml
(= 20-30 mg)
Lidocain im
Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt
trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische
(= Teil des unwillkürliche
Nervensystem betreffende)
Nervenfasern verlaufen. So wird z.B. in der Neuraltherapie aus diesem Grunde
bewußt um das Gefäß herum infiltriert. In der Regel geben die Patienten
jeweils unmittelbar
nach dem Einspritzen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Wärmegefühl im
behandelten Be in an.
Als sehr hilfreich hat sich parallel zur beschriebenen Blockadebehandlung auch eine Infusionsserie mit Lidocain (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) erwiesen. Dabei werden unter Pulskontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade eines Nerven mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Ner ven oder das betroffene Nervengeflecht eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels in den Katheter auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.
Bestehen diabetische Polyneuropathien bzw. der dadurch verursachte Nervenschmerz längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, hilfreich ist auch ein Schmerzbewältigungstraining.
Hier gelangen Sie zu weiteren Formen von Polyneuropathien :
Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
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aktualisier >23.03.2008</>
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